So will ich das

U wie unterirdisch: Geschäft mit Ultrabooks rauscht in den Keller

Das Analystenhaus IHS iSuppli hat seine Voraussage zum Absatz von Ultrabooks um mehr als die Hälfte nach unten korrigiert. Prognostizierten die Marktauguren vor einigen Monaten noch eine Verkaufszahl von weltweit 22 Millionen Einheiten, so wird sich die Branche damit zufrieden geben müssen, dass bis Ende des Jahres nur gut zehn Millionen Ultrabooks über die Ladentische gehen werden. Das Problem ist hausgebacken.

“Bisher hat es die PC-Industrie darin versagt, für genügend Begeisterung und Rummel unter den Konsumenten zu sorgen, um Ultrabooks zu einem Mainstream-Produkt werden zu lassen”, bringt der zuständige Chef-Analyst bei IHS iSuppli, Craig Stice, es auf den Punkt. Inmitten des ganzen Hypes um Tablets und Smartphones schafft es Intel  - und im Gefolge seine Partner – nicht, dem Hoffnungsträger Ultrabook genügend Schubkraft im Markt zu verleihen.

Wie kaum anders zu erwarten, greift jetzt der branchentypische Beißreflex. Den Ultrabooks wird allenthalben bescheinigt, dass sie viel zu teuer seien und deshalb wie Blei in den Regalen liegen. Der Preis ist also mal wieder Schuld an der Misere. Ich halte das für zu kurz gegriffen. In meinen Augen haben Intel und der hinterhertrabende OEM-Tross die formschönen, leichtgewichtigen Notebooks in alter Manier dem Joch der Features, Funktionen und Ausstattungsdetails unterworfen. Vergeben wurde die Chance, Ultrabooks als ein begehrenswertes, mit Emotionen aufgeladenes “Will-ich-haben”-Produkt zu positionieren.

Dem Gros der Branche scheint jeglicher Mut zu fehlen, neue Wege einzuschlagen und die ausgetrampelte Pfade zu verlassen. Im Ernst: Stellt sich bei den Verantwortliche niemand die Frage, warum einzig und allein Apples Ultrabook sich dem Trend widersetzen kann? Wie kommt es, dass sich das MacBook Air verkauft wie geschnitten Brot und die Verkaufszahlen Quartal um Quartal steigen? Und das, obwohl es vergleichsweise wesentlich teurer und, was die technische Ausstattung anbelangt, sich sogar eher im Mittelfeld der Konkurrenz der Wintel-Produkte bewegt?

“Solange die Branche diese Frage nicht für sich beantworten kann und will, wird jede Menge Verkaufspotential vertan.”

An jedem zweiten Bushäuschen in München sehe ich Werbung für stylische Produkte der Computerschmiede aus Cupertino, die mindestens ebenso schicken Ultrabooks mit Windows bekomme ich fast nirgendwo zu sehen. Und wenn ich Werbung dafür sehe, dann bekomme ich statt ästhetischen Bildern des Produkts einen mit Features und Fachbegriffen gespickten Textsalat  vorgesetzt. Das ganze übergossen mit irgendeinem Preis. In Groß. In ganz Groß. Dick, dominant und fett steht er da.

Ultrabooks verkaufen sich schlecht. Der Grund dafür sind die angeblich noch zu hohen Preise für die Geräte. Nur ein Hersteller hat mit hohen Preisen nicht das geringste Problem. Im Gegenteil: Seine Absätze steigen.

Man muss kein Marketingexperte sein, um augenscheinlich zu erkennen, wer damit angesprochen werden soll. Es ist der an Featuritis leidende Geiz-ist-geil-Kunde. Und es ist nicht der gut verdienende Konsument, der sich ein edles Ultrabook leisten will und für den der Preis zweit-, ja vielleicht sogar drittrangig wäre. Nein, diese Klientel greift da wohl kaum zu – die Zielgruppenansprache versagt hier völlig. Schade, denn die Garde der Ultrabooks hätte es verdient gehabt zu hohen Preisen gehandelt zu werden. So wird das Feld also weiterhin Apple überlassen, das gerade auch mit seinen Ultrabooks einen Umsatzrekord nach dem anderen einfährt.

Wird sich daran je etwas ändern?

In Bälde kommen Windows 8-Tablets auf den Markt. Hier tun sich erneut Chancen auf. Und ich bin wirklich sehr gespannt, ob die Hersteller diesmal mutig genug sind, die Gelegenheit am Schopf zu packen. Um in der Sprache der Branche zu bleiben: 699.- statt 299.- täte allen gut – Herstellern, Distis und dem Handel. Und dass es bei Tablets zu diesem Preis funktionieren kann, dürfte niemandem entgangen sein.

 

, , , , , , , , , , , , , ,

  • http://www.intel.de Andreas Klett

    Fakt ist, dass die Ultrabook-Volumen insbesondere in Deutschland massive Zuwächse verzeichen und in den letzten Wochen exponential ansteigen. Insofern ist die Überschrift “Geschäft mit Ultrabooks rauscht in den Keller” nicht zutreffend.
    Auch wenn die ursprünglich geplante Quote noch nicht da ist, wo die Branche sie sich erhofft hatte.

    Die Gründe dafür sind vielschichtig. Man muss sich u.A. vor Augen halten, dass die Kategorie Ultrabook erst vor 1 1/2 Jahren etabliert wurde, erste Geräte gab es gerade mal vor 11 Monaten überhaupt zu kaufen.
    Insofern braucht es seine Zeit, eine gesamte Branche umzukrempeln und insbesondere im Kopf der Endkunden und Händler die Kategorie Ultrabook überhaupt einmal zu etablieren. Inzwischen gibt es über 100 Geräte-Designs und mit Windows 8 und Touch kommt bereits die dritte Generation inklusive der hochattraktiven Ultrabook-Convertibles auf den Markt. Die Preispunkte und Formfaktoren werden immer attraktiver (ab €599,-) und wenn man sich die Aktivitäten vieler Händler ansieht tut sich sehr viel Richtung Weihnachtsgeschäft:
    http://www.euronics.de/ultrabook
    http://www.amazon.de/ultrabook
    http://www.notebooksbilliger.de/ultrabooks
    http://www.redcoon.de/ultrabook
    http://data.mediamarkt.de/devices/markenwelten/computer-buero/intel/ultrabook/

    Fazit: Gut Ding will Weile haben.
    Ich stimme Dir absolut zu, dass teilweise (wenn auch nicht Allen) der Mut fehlt “ausgetrampelte Pfade” zu verlassen, um die passende Werbeaussage/Kundenansprache zu finden.
    Da Ultrabook-Systeme insbesondere für den beratungsstarken Fachhandel deutlich mehr bieten als nur Design oder als die viel zu kurz gesprungene Antwort auf Apple, insbesondere was Services und vielfältige Anwendungsmodelle betrifft, bin ich sehr sicher dass die Kategorie ein Erfolg wird.

Powered by WordPress. Designed by Woo Themes

Ebenfalls lesenswert: