Marktforscher, Hersteller und allen voran Apple-Chef Steve Jobs sprechen davon, dass mit Tablet-PCs die sogenannte “Post-PC-Ära” angebrochen ist. Wer glaubt, dass hiermit gemeint sei, dass das Zeitalter des klassischen PCs als Tisch- oder Klappvariante vorbei ist, interpretiert den Begriff falsch.
Wenn von der Post-PC-Ära die Rede ist, heißt das nicht das Ende des PCs. Warum? Am besten lässt sich das mit einem Blick in vergangene Zeitalter veranschaulichen: Hatte das Ende der Bronzezeit zur Folge, dass kein Bronze mehr verwendet wurde? Hat der Übergang vom Industrie- zum Informationszeitalter die Industrie zum Verschwinden gebracht? Werden keine Autos mehr verkauft nur weil das Zeitalter der Flugreisen vor Jahrzehnten angebrochen ist? Natürlich nicht.
Wenn eine neue Ära eingeläutet wird, muss das vielmehr als Synonym dafür verstanden werden, dass Dinge additiv, teilweise ergänzend aber auch mitunter substituierend in unser Dasein treten. Jede neuen Technologie (neue Ära) ersetzt nie eine andere, eröffnet jedoch neue Lösungsmöglichkeiten – vor allem völlig neue Wege, Probleme in den Griff zubekommen.
Es werden also auch weiterhin Personal Computer verkauft werden. Es werden aber auch neue, noch viel persönlichere PCs abgesetzt werden, die vor allem auf den Konsum (und weniger auf die Produktion) von Inhalten aller Art zugeschnitten sind. Diese noch persönlicheren PCs werden Tablet-PCs genannt. Es ist wie damals: Die Erfindung des tragbaren Transitorradios brachte ungemein mehr Spaß ins Leben und machte uns endlich unabhängig von der heimischen Stereoanlage. Verkauft wurden Transitorradios damals übrigens wie geschnitten Brot, der Markt war kaum satt zu bekommen. Bei den Tablets dürfen wir ähnliches erwarten. Freuen Sie sich auf gute Geschäfte und denken Sie weniger darüber nach, ob einem die Post-PC-Ära Angst um das klassische PC-Geschäft einflössen muss.


11. Mai 2011 um 09:01 Uhr
Guten Morgen,
ich glaube, die Vergleiche hinken etwas und ich glaube, die Frage ist mißverständlich gestellt.
Nach der Bronzezeit wurde Bronze verwendet, weil es kein 100%iges Substitut dafür gab. Autos werden gekauft, weil Flugzeuge sie nicht vollständig ersetzen können. Aber wie sieht es beim PC aus? Nutzt man heute noch Disketten? Oder eine ‘Datasette’? Hat noch jemand eine 5,25″ Festplatte? Und gerade jetzt schicken sich SSDs an, die Scheibendreher zu verdrängen. Sobald eine neue Technologie eine alte vollständig ersetzt, geschieht dies.
Und was ist nun mit dem PC? Wir haben einen relativ großen Kasten, dessen Größe dermaleinst im Wesentlichen durch den Platzbedarf der eingebauten Konstituenten bestimmt wurde. 5,25″ Diskettenlaufwerke (von 8″ ganz zu schweigen) waren voluminös, 5,25″ Festplatten ebenfalls. Eine Herkules Grafikkarte (die früher einmal State-of-the-Art war) auch.
Und heute? Rechenleistung und Funktion erfordern keinen Platz mehr. Viele Komponenten besitzen Ihre Größe, damit wir sie mit unseren Händen (einigermaßen) bedienen können (Mobiltelefone), bzw. weil man froh war eine Norm gefunden zu haben, an die sich viele weitgehend halten (2,5″, 3,5″, 5,25″).
Dennoch glaube ich, dass die Evolution bei PCs schon lange im Gange ist – und weitergehen wird. Aus meiner Sicht lautet die Frage eher: Ab wann ist ein ‘Rechen-, Telefon-, Kalenderknecht’ kein PC (Personal Computer) mehr?
Die Antwort kann also lauten: 1) Eigentlich nie – weil er immer der PC, mein ‘persönlicher’ PC bleibt und 2) eigentlich ist das schon längst geschehen, weil er sein Erscheinungsbild bereits mehrfach dramatisch geändert hat.
Bei dem Statement von Mr. Jobs mag der Wunsch Vater des Gedanken gewesen sein, weil Apple in DACH bei den ‘PCs’ kaum eine Rolle spielt, sein Tablet hingegen führend im Markt ist.
Viele Grüße
O.Korbmacher